Zunächst gab es keine "Krieger". Die Bauern verteidigten Ihr
Land und waren nur nebenbei Kämpfer. Die ersten bekannte "Schule
für Kampfkunst" soll die Koden Ryu (669) gewesen sein. Erst im
Laufe der folgenden 600 Jahre entwickelte sich der Berufsstand
des "Kriegers" mit eigenen Kampfschulen und eigener Tradition.
Die meisten bekannten großen Kampfschulen entstanden in der
Muromachi-Periode (1335-1575), in der das Land durch einen
permanenten Bürgerkrieg keinen Frieden kannte und die Samurai
mit Ihrer Kampfkunst Ihren "Höhepunkt" erlebten. In der
Edo-Periode (1603-1867) gab es, bis auf wenige kleine
Scharmützel, keine großen Kriege mehr. Daher wandelte sich
auch die Kampfkunst. Weniger das Überleben in der Schlacht, als
mehr der direkte Zweikampf Mann-gegen-Mann sowie
Selbstverwirklichung und Selbstkontrolle standen jetzt im
Vordergrund. In der Meji-Periode (1868-1912) wurde die Klasse der
Samurai abgeschafft, das Tragen von Schwertern verboten und
wandelte sich die ganze japanische Kultur zu einem "modernen
Staat".
Mit Kendo und Judo vor den Weltkriegen, sowie Iaido und Aikido
danach, entstand nun eine neue Art der Kampfkünste. Sie
basieren zwar größtenteils
auf die alten Traditionen oder sind natürliche Weiterentwicklungen.
Die Schulen sind aber nun auch offen für jederman und es wurden
sportliche Wettkämpfe und Regel zum Schutz eingeführt.
Der Schwertpunkt Sport, Verteidigung oder Selbstverwirklichung wird
heute von Schule zu Schule und von Lehrer zu Lehrer unterschiedlich
stark gewichtet. Ab hier spricht man vom Budo, während
alle "alten Schulen" mit Kobudo (oder Koryu / Bujutsu) bezeichnet
werden. Diese Einteilung ist frei nach Donn F. Draeger (1973) und
daher "im Westen" weit verbreitet. Besser wäre aber eine Einteilung
in Koryu Bugei (vor 1700 = Schulen aus Kriegszeiten) oder Gendai Budo
(nach 1700, Schulen aus Friedenszeiten).
Früher gab es Hunderte von "alten" Schulen, die aber
zum größten Teil ausgestorben sind. Die Fälschung von
Abstammungslinien ist leider ein beliebtes Mittel, um die eigene
Kampfkunst aufzuwerten. Zweifelsfrei ist, das eine der ältesten
ununterbrochen überlieferten Kampfkünste die der Tenshin
Shoden Katori Shinto Ryu ist.
Im April 1960 ist sie als erste der japanischen Kampfkünste mit
dem Titel eines "unverletzlichen besonderen Kulturgutes" von der
Japanischen Regierung ausgezeichnet worden.
|
Die Tenshin Shoden Katori Shinto Ryu wurde ca. 1447 n. Chr.
von Iizasa Choisai Ienao (1387-1488) gegründet. Er studierte
Ken-jutsu (Schwertfechten) und So-jutsu (Speerkampfes). Seine
"Unbesiegbarkeit" wurde rasch im ganzen Land bekannt.
Er lebte in Abgeschiedenheit in der Nähe des
Katori-Schreines nach einem streng geregelten
Tagesablauf und gab sich einem hartem Kampftraining hin. Eines Tages,
so ist es überliefert, erschien ihm der Gott
Futsu-nushi-no-mikoto im Traum. In diesem Traum übergab die
Gottheit Ienao ein Buch. Hierbei handelt es sich um eine
Abhandlung über Kriegskunst und Kampfstrategie. Dieses Buch
und viele weitere seiner Schriften sind bis heute erhalten
geblieben.Im Folgenden erreichte Ienao die höchste
Ebene technischen Könnens und errichtete gegenüber dem
Shimpuku-Tempel sein Dojo. Meister Iizasa Ienao starb im hohen
Alter von 102 Jahren.
Ienao selbst nannte seine Schule Tenshin Sheiden Katori Shinto Ryu.
Später hat man auch andere Bezeichnungen benutzt (Shinryo Shinto
Ryu, Katori Shinto Ryu, Tenshin Shoden Shinto Ryu, etc.). Im
Jahre 1940 legten schließlich der 19. Soke fest, dass der
offizielle Name Tenshin Shoden Katori Shinto Ryu sein soll. In
alten Dokumenten oder Büchern lassen sich daher manchmal auch
die anderen Namen finden.
Ein regelmäßiges Training gibt es derzeit im Honbu Dojo selbst
nicht mehr. Wer Katori Shinto Ryu erlernen will muss daher
entweder das Dojo von Otake Sensei in Narita oder das Dojo von
Sugino Sensei in Kawasaki aufsuchen. Aber die Familie Iizasa
lebt heute immer noch ungefähr eintausend Meter vom
Katori-Schrein entfernt und bewahrt die Heiligtümer und die
alten Originalschriften auf.
|
Sugino Yoshio o-sensei (12.12.1904 - 13.06.1998) trainierte
vor dem 2. Weltkrieg zunächst Kendo, danach Judo bei Kano
Jigiro und schließlich Aikido bei Ueshiba Morihei o-sensei.
1928 begann er im Kodokan-Dojo mit Tenshin Shoden Katori
Shinto Ryu.
Ab 1953 dirigierte er die Schwertkampfszenen verschiedener
Samuraifilme, der bekannteste ist wohl "Die sieben Samurai"
(mit Toshiro Mifune, Regie: Akira Kurosawa). 1981 erhielt er
von der International Federation of Nippon Budo den 10. Dan
Kobudo.
|
Heute leitet sein Sohn Sugino Yukihiro sensei das Dojo und
unterrichtet Aikido und Tenshin Shoden Katori Shinto Ryu.
Er erhielt von der International Federation of Nippon Budo
den 9. Dan Kobudo und den 7. Dan Aikido durch den Aikikai.
Das Sugino Dojo in Kawasaki konnte 2003 den 75.
Geburtstag feiern. Es ist nach dem Aikikai Honbu Dojo
das älteste Aikido Dojo in Tokio.
In Deutschland wird das TSKSR von Ulf Rott (5. Dan Aikikai /
4. Dan TSKSR), als Schüler und Repräsentant von Sugino Yukihiro,
verbreitet.
Sugino Dojo Deutschland
c/o Ulf Rott
Großer Oldekamp 17
26789 Leer
http://www.katorishintoryu.de/
mailto:info@katorishintoryu.de
|
Da es in Bremen (und auch sonstwo in Deutschland) neben Ulf Rott
keinen qualifizierten und zertifizierten Lehrer für TSKSR gibt,
versuchen wir so oft wie möglich in
Fahrgemeinschaften zum Training nach Leer und zu den
Lehrgängen von Ulf Rott zu fahren. In unserer
Trainingsgruppe gibt es dann die Möglichkeit, das bei ihm
Gelernte mit Unterstützung von fortgeschrittenden
Schülern zu Wiederholen und regelmäßig
gemeinsam zu Übern.
Zur Zeit können in Bremen folgende Techniken geübt werden:
- Ken-jutsu
- Iai-jutsu
- Bo-jutsu (nur Fortgeschrittene)
- Naginata-jutsu (nur Fortgeschrittene)
Katorika mit höheren Dan-Graduierungen lernen noch Techniken
mit Kurzschwert, 2 Schwertern, Speer, sowie geheime
Schwertechniken u.v.a.
|